Tobias Fröhlich - neues Körpergefühl

In jungen Jahren läuft es auch im Sitzen mit dem Stoffwechsel ganz gut. Nur mit dem zunehmenden Alter muss man die Kommunikation mit dem eigenen Körper hinterfragen. Mein Neustart mit Ende 30 war das Saftfasten.

Viel Essen, wenig Nährstoffe, kaum Bewegung – ein Teufelskreis 

Im November 2017 bin ich 40 Jahre alt geworden. Wow, eine krasse Zahl angesichts der Tatsache, dass ich mich auf vielen Ebenen nach wie vor wie ein kleiner Junge fühle. Selbst körperlich empfinde ich mich heute als absolut jung und frisch – aber das war längst nicht immer der Fall. Bis zu dem heutigen Punkt war es eine lange aber auch schöne Reise, über die ich gern berichten möchte. In der Hoffnung, noch mehr Menschen zu erreichen und dazu zu inspirieren, einen ähnlichen Weg einzuschlagen. Denn zu spät ist es dafür NIE!

Ich war in meiner Jugend, als Teenager und bis über meine „End-Zwanziger“ hinaus immer ziemlich sportlich. In meinem Alltag war genügend Platz für Bewegung – Schwimmen, Ballsport, Laufen, Fitnessstudio. Selbst Halbmarathon und Marathon – ich war für so ziemlich alles zu haben.

Jedoch zu viel, zu unausgeglichen (und zu schnell) gegessen, hatte ich bis dato schon immer. Ausreichend Sport und ein von Natur aus gegebener guter Stoffwechsel führten dazu, dass ich mich recht problemlos mental und körperlich „InShape“ gehalten hatte.

Triple A – Arbeit, Alltags-Stress und das zunehmende Alter als „Motivations-Killer“

Essen&Sitzen

Tobias Fröhlich - sitzen und essen

In meinen 30-ern fiel es mir dann zunehmend schwerer, mich dazu zu motivieren, regelmäßig Sport zu treiben. Geschweige denn darauf zu achten, mich ausgeglichen und gesund zu ernähren. Ich sah und bezeichnete mich generell als einen „Allesfresser“, der jegliche Speisen mag und auch verträgt. Viel Fleisch, viele Milchprodukte und viel Süßes standen auf meinem täglichen Speiseplan. Wir lernen eigentlich alle von klein auf, dass unser Körper in erster Linie die in Obst und Gemüse / „Greens“ enthaltenen Nährstoffe und Vitamine benötigt. Ein Blick in den Einkaufswagen der meisten Menschen zeigt ein ganz anderes Bild – Brot- und Teigwaren, Fleisch/Wurst, Milchprodukte, Fertigspeisen und Süßwaren liegen meist weit vorne. Auch ich gehörte zu denjenigen, die Obst und Gemüse nur als kleine Zwischenmahlzeit bzw. als langweilige, aber eben notwendige Beilage betrachteten.

Als selbständiger Musiker, wie ich es einer bin, reist man sehr viel, macht häufig die Nacht zum Tag und umgekehrt. Selbst wenn man möchte ist es nicht immer leicht, auf eine ausgeglichene Ernährung und genügend Bewegung zu achten.  Obst und Gemüse (Rohkost) kann man immer und überall bei sich haben. Super gesund, schmeckt lecker und rettet einen über viele Stunden hinweg, anstatt beim nächsten Späti oder bei der nächsten Raststätte ungesunden Kram zu kaufen. Geld spart es on top.

Nährstoffmangel und zu wenig Bewegung – Ein schleichender Prozess

Vor eineinhalb Jahren war es dann so weit – fast unbemerkt hatte ich sicher fünf Jahre lang quasi keinen Sport mehr getrieben. Mein Body fühlte sich alt und schwach an, ich wog 104 kg bei einer Körpergröße von 181 cm. Was meinen Körperbau betrifft, so hatte ich einfach Glück – heißt ich hatte nie nur “ ’ne Plauze „, wenn ich an Gewicht zulegte, sondern alle Kilos verteilten sich recht gleichmäßig auf den gesamten Körper. Vor allem bekleidet sah ich so eher kräftig aus, als dick.

Aber ich bekam bereits permanent Rückenbeschwerden, schmerzende Schultern, Hautprobleme und dann 2016 zwei „Fast“- Bandscheiben-Vorfälle. Zu viel Fast- und Junk Food und vor allem unterwegs zu viel weiterverarbeitetes Essen. A daily musican problem. Dazu zu wenig Obst und Gemüse, zu viele Fruchtsäfte und Bubbledrinks, zu wenig Wasser und Tee. Nicht genügend Bewegung und das permanente Sitzen in Vans, Bussen und Zügen, auf meinem Schlagzeug-Hocker und vor dem Computer – langfristig eine höchst ungesunde Kombination.

Saftfasten – Das Wunder mit der Natur

Vor allem die Bandscheiben-Probleme rüttelten mich endgültig wach und mir wurde klar, dass es so nicht weitergehen konnte. Endlich setzte nach Jahren wieder die Motivation ein, etwas zu tun. Ich verstand, dass die Verantwortung einzig und allein bei mir lag:

Möchte ich fit in die zweite Hälfte meines Lebens gehen? Oder kugele ich buchstäblich dort hinein – übergewichtig, faul und ungesund?
Kann ich mich zusammenreißen und radikal meine Lebensweise ändern, oder verfalle ich weiterhin in dieselben Muster?

Der Netflix Dokumentarfilm “ Fat, sick & nearly dead “ von und mit JOE CROSS gab mir irreversibel den Tritt in den besagten Allerwertesten. Und ja – es hat definitiv mein Leben verändert! Im Mai 2016 begann ich eine 10-tägige, entgiftende Saft-Kur. Sie war definitiv der Auslöser für die größten und beeindruckendsten Veränderungen, was meine Gesundheit und meine Fitness, meinen Körper und meinen Alltag – sprich eigentlich mein gesamtes Leben anbelangt. Und das Prinzip des Saftfastens ist so simpel wie einleuchtend:

In meinem Fall zehn Tage lang nichts essen, stattdessen drei bis vier mal am Tag 600 ml Saft aus Gemüse und Obst (Verhältnis 80/20!) entsaften (keine Smoothies!) und trinken. Plus Wasser und Tee. That’s it. (Wobei ich betonen muss, dass das Verhältnis 80 Gemüse zu 20 Obst absolut entscheidend ist, da man ansonsten zu viel (Frucht-) Zucker zu sich nimmt. Und dann – sofern erwünscht – auch nur spärlich Gewicht verliert. Das Wichtigste steckt im „Grünzeugs“. Schmeckt also jeder Saft süß-fruchtig und lecker, dann hat man leider was falsch gemacht).

Während auf diese Weise der gesamte Magen-Darm-Trakt endlich mal nicht nur ein paar Stunden, sondern über Tage hinweg ruhen kann, wird der Körper permanent mit einer großen Menge an Flüssigkeit, Nährstoffen und Vitaminen versorgt. Er wird von sämtlichen Giftstoffen befreit, man reinigt buchstäblich sein Innerstes, selbst Heilprozesse (Magen/Darm) treten sehr schnell ein. Das ist mal das Grundprinzip. Hier ein Link mit weiteren Informationen zum „Juice Fasten“ incl. Rezepten & Co.

Reset – Neustart. Gemüse für ein gesundes Körpergefühl

Nach der Saft-Kur hatte ich ein vollkommen natürliches Verlangen nach Obst und Gemüse. Das Verlangen nach Süßem, Salzigem, Fettem etc. war wiederum wie ausgelöscht. Hungerattacken und Magenknurren gehören seither der Vergangenheit an. Während der Saft-Kur und in den folgenden zwölf Monaten verlor ich insgesamt über 25 kg an Körpergewicht. Ich esse seitdem kein Fleisch mehr (obwohl ich das gar nicht vorhatte), habe jegliche Milchprodukte von der Einkaufsliste gestrichen. Den Zucker habe ich radikal reduziert, sowie Bubbledrinks, Weißbrot und -mehl, gewöhnliche Pasta gestrichen.

Alles erschien ganz natürlich, als würde der gesunde Körper mit dem Geist kommunizieren, was er mag, braucht und was nicht. Und umgekehrt.

In erster Linie esse ich jetzt viel weniger, frischer und habe ein paar Zutaten ausgetauscht. Ich bin auf keiner Diät. Es ist eher, als hätte jemand bei mir den „Reset-Button“ gedrückt, einen Schalter umgelegt. Ich ernähre mich weder zu 100% vegan (Käse ab und zu), noch vegetarisch (Fisch ab und zu), aber der überwiegende Anteil meiner Ernährung ist nun seit eineinhalb Jahren vegan – viel Gemüse, Salat, Suppen, Obst, Nüsse, Rohkost. Kein Fleisch, wenig Fisch. Ab und zu Käse, ansonsten keine Milchprodukte. Hauptsächlich frisch, wo es geht Bio. Viel mehr kalt/roh, als gekocht. Vollkorn-Produkte.

Noch nie in meinem Leben habe ich mich so gut gefühlt! Mittlerweile wiege ich um die 80 kg, mache täglich mindestens eine Stunde Yoga/Meditation/Krafttraining zu Hause, fahre viel Fahrrad oder gehe zu Fuß. Ich habe absolut keine Rückenschmerzen oder überhaupt irgend welche körperlichen Beschwerden mehr und schlafe nachts gut ein bis zwei Stunden weniger.

Wir haben es verlernt (oder nie gelernt), mit unserem Körper zu kommunizieren

Ein gesunder, kräftiger und ausgeglichener Körper ist sicherlich einer DER Schlüssel, um besser durch sämtliche Lebensphasen zu kommen. Vor allem aber durch die Schwereren! Unser Körper hat unheimlich viel Einfluss auf den Geist und die Seele. Und umgekehrt.

Ich habe verstanden, wie gesegnet ich mit meinem gesunden Körper bin. Das ist ein Geschenk!

Selbstverständlich habe ich immer noch Alltagsstress und Probleme – damit kann ich aber viel besser umgehen. Da ich mir täglich eine „Gedanken-Auszeit“ nehme, währenddessen ich den gesamten Körper trainiere, bin viel belastbarer geworden. Yoga, Krafttraining mit dem eigenen Körpergewicht, Stabilisationsübungen und viel Stretching – alles kann man zu Hause machen. Eigentlich überall. Und zu jeder Zeit.

Unser Körper ist ein Wunder der Natur. Und es ist nie zu spät, dazu beizutragen, dass er gesund bleibt oder wird. Jeder einzelne von Euch, der es ausprobiert, wird am Ende überrascht sein, was er oder sie noch so erreichen kann!

Sicherlich war ich in meinen Zwanzigern schneller und stärker als heute – aber was meine Gesamtfitness, meine Gesundheit und die Flexibilität meines Körpers anbelangt, bin ich jetzt und heute in der Form meines Lebens! Das war mein lang vorbereitetes und am Ende absolut unbezahlbares Geburtstagsgeschenk von mir an mich selbst. Probiere es aus und fang‘ am besten heute damit an und tue deinem Körper etwas Gutes!

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text by: Trommel Tobi – Drummer / Beat Maker/ Producer –