Sucht | Wie abhängig bist du?

Jeder von uns hat heutzutage mindestens eine Sucht. Komisch irgendwie, dass der Begriff „Sucht“ in unserer Gesellschaft trotzdem so negativ behaftet ist. Ich glaube, das liegt überwiegend daran, dass wir immer nur von den „schlimmsten“ Zwängen wie illegalen Drogen hören. Kaum jemand ist sich bewusst, wodurch dieser Begriff definiert ist und wie viel eigentlich dazu zählt.

Schon mal etwas von Putz-, Lese- oder auch Sex- Sucht gehört?

Seit geraumer Zeit beschäftige ich mich nun schon mit dem Thema. Ich will mein Gedankenchaos dazu hier mal zusammengefasst ordnen und euch dran teilhaben lassen.
Wichtig: Dieser Beitrag ist nur ein minimaler und subjektiv geprägter Auszug dieser Thematik.

Ich habe mich gefragt, wann greift eigentlich ein hoher Konsum von etwas in eine Sucht über? Zusammenfassend lässt sich das kurz auf den Punkt bringen. Wenn wir von einer bestimmten Sache abhängig sind und keine Kontrolle mehr darüber haben, was wir in dem Zusammenhang tun, dann sind wir vom einer Sucht betroffen. In meinem Fall wäre das ganz klar der Smartphone-Konsum.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) besteht eine Abhängigkeitserkrankung, wenn drei der aufgeführten sechs Merkmale gleichzeitig vorliegen:

1. Unüberwindbares Verlangen nach einer bestimmten Substanz oder Verhaltensweise
2. Kontrollverlust bezüglich Menge und Dauer der konsumierten Substanz bzw. der Verhaltensweise
3. Entzugserscheinungen beim Absetzen bzw. Verzicht
4. Toleranzentwicklung (Dosissteigerung oder Wirkungsverlust)
5. Aufgabe bisheriger Interessen und Aktivitäten
6. Fortdauernder Konsum trotz negativer sozialer und gesundheitlicher Folgen

Das Buch „Lexikon der Süchte“ unterteilt in körperliche (physische) und/oder seelische (psychische) Abhängigkeiten, die stoffgebunden, aber auch Abhängigkeiten ohne zusätzliche Substanzen sein können. Schön beschrieben ist hier, dass eine Sucht immer eine Geschichte hat und meisten in der Kindheit geprägt wird, bewusst oder unbewusst, wir tragen diese Veranlagungen in uns. Ob wir es wollen oder nicht, wird sie früher oder später versuchen die Kontrolle über uns zu bekommen und uns zu beherrschen. Das bedeutet überhaupt nicht, dass wir dagegen machtlos sind. Im Gegenteil, wir sollten uns ihr annehmen, sie hinterfragen und damit arbeiten. Im besten Fall schaffen wir es, ihr nicht zu verfallen oder sie aus eigener Kraft zu bekämpfen.

Warum ist mir das Thema Sucht so wichtig?

In meinem Leben wurde ich schon oft mit Süchten konfrontiert. Ich selbst hatte in Bezug auf meine Körperform damit zu kämpfen und muss täglich miterleben wie Menschen, die mir viel bedeuten, sich mit einer Sucht teilweise akuten Gefahren und langfristigen Gesundheitsschäden aussetzten. Was mich immer wieder erstaunt, dass es  äußerlich meistens gefestigte und bodenständige Menschen sind, die sich durch ihre Zwänge unbewusst kontrollieren lassen. Personen die immer wissen was sie wollen, ihren eigenen Kopf haben, aber bei ihren Süchten die Kontrolle abgeben. Bewusst oder unbewusst!?

Alkohol 

Wer JEDEN Tag ausnahmslos sein Bier braucht, sei es 1, 2 oder 3 Flaschen befindet sich definitiv in der ersten Phase einer Alkohol Sucht. Das gleiche gilt natürlich für Wein und andere alkoholische Getränke. Ob man es nun als Routine oder Ritual abtut, auf kurz oder lang ist und bleibt Alkohol ein Zellgift, das dem Körper schadet. Explizite Informationen dazu habe ich in einem guten Artikel der Apotheken Umschau gefunden. Das Schlimme ist, dass es die „Betroffenen“ in den ersten Phasen natürlich nicht wahrhaben wollen, wohin sich das ganze entwickeln kann. Was tut man also als Familienmitglied, Freund oder Bekannter dieser Personen? Solange Abhängige die Sucht nicht als solche begreifen und verstehen was sie sich damit antun, hast du keine andere Wahl als erst einmal nur zuzusehen.

Es prägt einen, wenn man schon als Kind damit konfrontiert wird. Verheimlichen, Alltagsproblemen entgehen, hören wie andere darüber reden und sich merklich Sorgen machen. Alles Dinge, die du auch als Erwachsener Mensch nicht einfach vergisst. Was mich am meisten beschäftigt ist, dass man einfach nicht helfen kann, weil Hilfe nicht als notwendig betrachtet wird. Warum? Weil es aus Sicht der Betroffenen wie bei jeder Sucht, es keinen Grund zur Sorge gibt.

Gibt es nicht? Teste mal … Alkohol Selbsttest – von der Seite KENN DEIN LIMIT

Tabak & Nikotin

Ein weiteres rotes Thema für mich persönlich. Auch hier musste ich mich schon früh mit den negativen Aspekten dieser Sucht auseinandersetzen. Wenn du als Kind deinen Freunden Kekse anbietest und dir an den Kopf geworfen wird, ob du sie vergiften möchtest, weil diese so sehr nach Tabak schmecken, dann macht das ein kleines Mädchen extrem traurig. Dann später in der Schule über die Folgen dieser Droge aufgeklärt zu werden und zu wissen, von dir geliebte Menschen geben sich Tag täglich genau dieser Sucht hin, löst Angst aus. Verlustangst.

Rauchen, Schnupfen, Kauen und neuerdings Dampfen. Ganz egal was davon alles kontrolliert die betroffene Person – ein Zwang und Drang nach etwas das so klein und unscheinbar wirkt. In einer Beziehung mit jeweils einem Raucher und einem Nichtraucher kann diese Droge sogar zum Killer werden. Stellt man Abhängige vor Entscheidungen wie z.B. das Rauchen oder die Liebe, werden diese sich niemals für das Rauchen und noch viel weniger für die Liebe entscheiden. Hier kann man nur verlieren, Nerven, Herzen und Schmerzen! Kompromisse oder totale Toleranz des Partners sind selten. Oft enden Sucht geprägte Beziehungen durch einen sich nicht wechselnden Streitpunkt in einer Trennung. Das ist wahrscheinlich auf kurz oder lang das Beste, denn es heißt „ich liebe dich, so wie du bist“ – dazugehört auch oft Süchte zu akzeptieren.

Im Fall von heutigen Möglichkeiten des Dampfens und Kauens ist durch das passive Beisein anderer Personen niemand mehr zusätzlich gefährdet. Schmerzhaft ist es trotzdem zu wissen, dass man jemanden, den man liebt, durch etwas scheinbar „Kontrollierbares“ schon eher als notwendig verlieren könnte. Dass wiederum interessiert die Süchtigen nicht, denn sie leben in Abhängigkeit. Ich selbst tue mich auch bei dieser Droge immer wieder schwer mit der Akzeptanz. Jedem dem es genauso geht rate ich, sich emotional davon zu distanzieren, weil alles andere euch nur selbst kaputtmacht.

Beim selbst kaputtmachen komme ich direkt zu einer Sucht die auch mich betrifft…

Die Mediensucht

OFFLINE – die Angst davor nicht erreichbar zu sein oder etwas zu verpassen. In unserer Zeit gibt es für dieses Suchtverhalten bereits einen Fachbegriff, dieser nennt sich Nomophobie (engl. Nomophobia). Das bedeutet „No-Mobile-Phone-Phobia“ – ohne Smartphone zu sein, also die Panik vor Unerreichbarkeit. Schaut euch in eurem Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis um, mindestens jeder Zweite ist mittlerweile von der Zwangsstörung, permanent aufs mobile Phone schauen zu müssen, betroffen. Wie anhängig seid ihr? Beantwortet ihr die folgenden Fragen größtenteils mit „ja“ ist die Antwort klar:

  1. Fühlt ihr euch ’nackt‘ wenn ihr ohne euer Smartphone das Haus verlasst?
  2. Hört oder fühlt ihr manchmal das Phantom Klingeln/ Vibrieren?
  3. Für euch ist es unmöglich ein ganzes Wochenende das Handy mal komplett auszuschalten?
  4. Ihr trefft euch mit euren Freunden in einem Cafe und schaut trotzdem ständig auf das Gerät?
  5. Soziale Netzwerke sind für euch unabdingbar (mindestens 1)?

Ganz ehrlich ich kenne das Selbst und habe mich bei vielen Symptomen wieder gefunden. Es erschreckt mich, wie krass uns so ein Gerät in Anspruch nimmt. Jedoch kann ich mit dem Wissen dieser Abhängigkeit gut umgehen, indem ich mich bewusst dem (Hashtag) #digitalDetox anschließe und wieder mehr meine persönlichen Momente fokussiere. Ich habe angefangen mir feste Zeiten für die Beantwortung von Nachrichten zu legen und dafür, wie oft ich in sozialen Netzwerken hoch und runter scrolle. Habt ACHTSAMKEIT mit euch selbst! Wenn ich was klären will, dann drücke ich öfter den Telefonhörer, anstatt stundenlang missverständliche Texte zu tippen. Und ein ganz besonders wichtiger Punkt, ich habe wieder angefangen mich auf die Momente zu besinnen und zu erleben, ohne permanent alles bildlich festzuhalten. Probiert es aus es befreit euren Geist enorm!

Ich rede hier nicht von LIEBE!

Liebes Sucht

Natürlich gibt es neben allen negativen Abhängigkeiten auch eine wunderschöne Sucht – LIEBE. Wir verlieren die Kontrolle über uns selbst, handeln gesteuert von Emotionen und aus dem Gefühl des verliebt sein’s entsteht mit zunehmendem Konsum dieser Droge (Partner), Liebe. Wir haben ein unüberwindbares Verlangen nach der anderen Person, steigern täglich unsere Dosis (bis der Wirkungsverlust eintritt), geben ebenfalls viel unserer Individualität auf, um die andere Person mehr in unser Leben zu integrieren. Der Vorteil dieser Sucht ist eindeutig, dass ihr (im Normalfall) bei dem Konsum keine negativen sozialen und gesundheitlichen Folgen für euch entstehen. Falls doch, solltet ihr natürlich auch diese Droge absetzten. In Anfangsphase drohen dann gegebenenfalls derbe Entzugserscheinungen im Volksmund auch genannt „Liebeskummer“, das legt sich aber auch wieder.