Ich küsse deine Augen

– meine Reaktion als ein Bekannter mir den Satz das erste Mal entgegnete: „Du küsst hier gar nichts, klar!“ FAIL, denn genau genommen ist dieser Satz ein Ausdruck großer Dankbarkeit, was dann wiederum irgendwie süß war.

Für mich schien dieser Ausdruck etwas gewöhnungsbedürftig, weil ich den Zusammenhang einfach nicht verstanden habe. Letztes Jahr reichte noch ein einfaches „Vielen lieben Dank“ völlig aus. Da ich in meiner subjektiven Wahrnehmung jedoch einen tendenziellen Anstieg dieser Wortwahl zur Kenntnis nehme, stellte ich Recherchen zur Bedeutung an. Und jetzt wird es abgefahren, …

Ursprung aus dem Minnesang

Wie sollte es auch anders sein, es geht natürlich um Mann und Frau. Die Minnensänger waren der Annahme, dass sie mit dem Küssen der Augenlider das Tor zum Herzen einer Frau öffnen können.  Wikipedia erklärt den Minnesang als: „schriftlich überlieferte, hoch ritualisierte Form der gesungenen Liebeslyrik (im Mittelalter)“. Es war wohl auch eine andere Art des Wettkampfes um seine Herzdame. Wer also weniger seine Kampfkunst und mehr seine Sprachkunst unter Beweis stellen wollte, griff auf das „ritterlich-ethisch geprägtes Sprach- und Musik-Ritual“ zurück, allerdings ohne romantische Textpassagen. Heute heißt das RAP 🙂 Ich gehe ganz stark davon aus, dass der Rapper MC Fitti aufbauend auf diesem Hintergrundwissen, seinen Song „Schön mich zu sehen“ geschrieben hat. Eine großartige Hommage an sich selbst – bei der er seine Augen einfach selbst küsst.

Alles kommt wieder.

Wie auch in der Modewelt, kommt also auch in der Germanistik alles irgendwann wieder.  Eigentlich Schade, dass es im Mittelalter noch kein YouTube gab, so einen Minnen-Channel hätte ich direkt abonniert. Nun ja, zum Glück gibt es heutzutage ähnlich guten Sprechgesang, bei dem nun auch wieder die Metapher des Augenlid Kusses aufgegriffen wird. Wie oben schon kurz erwähnt und meine Inspiration zu dem Beitrag ist der aktuelle Song von MC Fitti „Schön mich zu sehen“ – check mal:

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„Ich küsse deine Augen“

Was im zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert als Schlüssel zum Herzen einer Frau galt, ist heute ein Satz für große Dankbarkeit. Na dann fang ich jetzt mal damit an „Augen zu küssen“